Jesum Habemus Socium

Menschen lernst du kennen, um sie zu lieben, Jesus liebst du, um Ihn kennenzulernen.

#8 Es ist hart eine Zuneigung aufkeimen zu lassen, aber nur um sie dir zu schenken. (Zum Abschluss des Priesterjahres)

Hinterlasse einen Kommentar

.

Die Worte stammen aus dem Gebet eines Priesters. Wie sehr kennen wir die Gedanken und Lebenserfahrungen der Priester, die uns umgeben? Oft ist es – meiner Wahrnehmung nach – der Pfarrer, der am wenigsten die Möglichkeit hat, sich offen (jedenfalls mit seinen Schäflein) auszusprechen…

.

Mit dem Gebet „Herr, da bin ich“ gibt uns Michel Quoist eine seltene Gelegenheit, in die Seele eines Priesters schauen zu dürfen. Am Ende des Priesterjahres kann uns dieses Gebet eine kleine Hilfe sein, unseren „nächsten Priester“ ein wenig mit seinen Augen zu sehen – ohne dabei die individuellen Sichtweisen der Geistlichen verallgemeinern zu wollen.

Es folgt die deutsche Fassung des französischen Originaltextes.

“Herr da bin ich”

Herr, heute bin ich allein.
Allmählich ist es in der Kirche still geworden, die Menschen sind fort, und auch ich bin nach Hause gegangen,
allein.

Ich bin Leuten begegnet, die vom Spaziergang zurückkehrten.
Ich bin am Kino vorbeigegangen, das eine Portion Menschen ausspuckte.
Ich bin an den Terrassen der Kaffeehäuser entlang gegangen,
wo die müden Spaziergänger versuchten, die Lebensfreude eines festlichen Sonntags zu verlängern.
Ich stieß auf Kinder, die am Gehsteig spielten.
Die Kinder, Herr, die Kinder der anderen, die niemals mir gehören werden.

Herr, da bin ich.
Allein.
Die Stille beengt mich, die Einsamkeit bedrückt mich.

Herr, ich bin 35 Jahre alt,
Ich habe einen Leib wie die anderen;
kräftige Arme für die Arbeit
und ein Herz, wie aufgespart für die Liebe;
Aber ich habe es dir geschenkt.
Es ist wahr, dass du es brauchst.
Ich habe dir alles geschenkt, aber es ist hart, Herr.

Es ist hart seinen Leib zu verschenken, er möchte sich anderen hingeben.
Es ist hart alle Welt zu lieben und niemanden zu behalten.
Es ist hart eine Hand zu drücken, ohne sie festhalten zu wollen.
Es ist hart eine Zuneigung aufkeimen zu lassen, aber nur um sie dir zu schenken.
Es ist hart für sich selber nichts zu sein, um ihnen alles zu sein.
Es ist hart zu sein wie die anderen, unter den anderen, und dabei ein anderer zu sein.
Es ist hart immer zu schenken, ohne darauf bedacht zu sein, etwas dafür zu empfangen.
Es ist hart den anderen voranzugehen, ohne dass jemals einer vor einem selber geht.
Es ist hart die Sünden der anderen zu  erleiden, ohne sich weigern zu können, sie aufzunehmen und sie zu tragen.
Es ist hart Geheimnisse zu erfahren, ohne sie mitteilen zu können.
Es ist hart andere mitzureißen, und sich nie auch nur einen Augenblick lang gehenlassen zu können.
Es ist hart allein zu sein,
Allein vor allen,
Allein vor der Welt,
Allein vor dem Leiden, dem Tod, der Sünde.

Mein Sohn, du bist nicht allein.
Ich bin bei dir.
Ich bin du.
Denn ich bedurfte einer Menschheit als Ergänzung;
um meine Fleischwerdung und meine Erlösung fortzusetzen.
Vor aller Ewigkeit habe ich dich erwählt,
Ich brauche dich.

Ich brauche deine Hände, um mein Segnen fortzusetzen,
Ich brauche deine Lippen, um mein Sprechen fortzusetzen,
Ich brauche deinen Leib, um mein Leiden fortzusetzen,
Ich brauche dein Herz, um meine Liebe fortzusetzen
Ich brauche dich, um meine Erlösung fortzusetzen,
Bleibe bei mir, mein Sohn.

Herr, da bin ich!
Da ist mein Leib,
Da ist mein Herz,
Da ist meine Seele.
Gib mir, groß genug zu sein, um die Welt in mich hineinzuholen
Stark genug, um sie tragen zu können,
Rein genug, um sie zu umarmen, ohne sie festhalten zu wollen.
Gib, dass ich ein Ort der Begegnung bin, aber nur ein Ort des Durchgangs,
Ein Weg, der nicht festhält, weil es nichts Menschliches auf ihm zu ernten gibt,
ein Weg, der nur zu Dir führt.

Herr, heute Abend,
während alles voll Schweigen ist
während ich in meinem Herzen so bitter den nagenden Zahn der Einsamkeit spüre,
während mein Leib seinen Hunger nach Freude hinausheult,
während die Menschen mir die Seele zerreißen und ich mich unfähig fühle, sie zu befriedigen,
während auf meinen Schultern die ganze Welt lastet mit all ihrem Gewicht des Elends und der Sünde,
Gebe ich dir noch einmal mein Ja , nicht in laut lachender Freude, sondern langsam, leuchtend, demütig,
Ganz allein, Herr vor Dir,
Im Frieden des Abends.

Michel Quoist (1921-1997)

Advertisements

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s