Jesum Habemus Socium

Menschen lernst du kennen, um sie zu lieben, Jesus liebst du, um Ihn kennenzulernen.

#25 „Hinterfotzige Rhetorik“ – Loveparade und Strafe

6 Kommentare

Ein kleiner Hetzartikel von nicht einmal 300 Worten in DerStandard vom Wochenende produzierte nicht weniger als 302 Kommentare, Titel des Artikels: „Hinterfotzige Rhetorik – Laun weiß genau, wie er interpretiert wird – von Markus Peherstorfer“.

Natürlich darf es einen nicht wundern, dass einem Bischof das Wort im Mund umgedreht wird. Klar ist das ein gefundenes Fressen…

…für wildgewordene Gastkommentatoren im offenen Forum einer exzellent gestalteten Online-Ausgabe einer Tageszeitung. (Es war DerStandard, der 1995 die erste deutschsprachige Online-Ausgabe einer Tageszeitung auf die Beine gestellt hat…)

Wie immer ging es wild zu bei den Ergüssen überwiegend kirchenfeindlicher Kommentatoren, hier ein Mini-Auszug:

.
Aber worum ging’s eigentlich?

In dem Artikelchen wird Bischof Andreas Laun vorgeworfen:

Im Kern stimmt es aber: Laun hat die Toten von Duisburg mit hinterfotziger Rhetorik und ohne Not in die Nähe der „Gottesstrafe“ gerückt. Und wenn er das Abtanzen zu lauter Musik als „Sünde und Einladung zur Sünde“ bezeichnet, maßt er sich genau jenes moralische Urteil an, das er jetzt von sich weist.

Der mit höchstem Zeigefinger erhobene Vorwurf wird also mit den Worten „in die Nähe gerückt“ begründet. Na fantastisch. Beim kurzen geistigen Innehalten werden wohl viele zustimmen, dass man so gut wie jeden Menschen mit ein wenig Fantasie (oder Hinterfotzigkeit) in die Nähe von irgendetwas rücken kann…

Was Bischof Laun wirklich gesagt hat, lautet auszugsweise wie folgt:

Kein Mensch kann ohne Erschütterung von dem Unglück in Duisburg hören und ohne Mitleid bleiben für die Toten und vor allem auch deren Eltern und andere Angehörigen! Darum haben auch der Papst, viele Bischöfe und andere Menschen für die Betroffenen gebetet! Auch steht es keinem Menschen zu, über die Toten zu urteilen und darüber hinaus zu behaupten, ihr Tod sei eine – natürlich gerechte – „Strafe Gottes“ für die Sündigkeit der Love-Parade, in deren Verlauf das Unglück geschah!

Übrigens, wer Sünde und Gottesstrafe meint so direkt zuordnen zu können, sollte sich wundern über seine eigene Gesundheit und vielleicht sogar darüber, dass er selbst noch am Leben ist – und zufrieden sein, dass Gott allein der Richter ist, kein Mensch! Nein, das alles steht außer Zweifel und darf auch nicht abgeschwächt werden.

Und doch, das Ereignis und die Diskussion über es geben Anlass weiterzudenken! Das Mitleid mit den Opfern ist eine Sache, eine andere die Feststellung: „Love – Parade“ und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde!

Sie dürfen nicht schöngeredet werden als „harmloses Feiern“ netter junger Menschen! Dazu kommt: So falsch die konkrete, moralische Verurteilung der Toten ist und bleibt, wäre es doch auch höchste Zeit zu fragen, warum viele Menschen heute auf den Begriff „Strafe“ wie von der Tarantel gebissen reagieren!

Natürlich, sie finden Strafe gut und fordern sie, wenn derjenige bestraft wird, der sie selbst geschädigt hat oder etwas tut, was sie verurteilen! Aber sie sind empört bei dem Gedanken, sie selbst verdienten Strafe, und erst recht: Gott könnte sie strafen!

[…]

Nun kann man zwar manchmal sogar von katholischen Theologen hören, dass Gott nicht strafe, nur ist das nicht katholisch! Denn in der Bibel steht es anders, nicht nur einmal! Zugleich korrigiert die Bibel auch das verbreitete Missverständnis, als ob Strafe dasselbe wäre wie die Befriedigung eines hässlichen, grausamen Gelüstes auf Rache! Und dies trifft auf Gott natürlich nicht zu! Wahr ist vielmehr: Wenn Gott „straft“ tut er dies mit der Absicht, den Menschen zurückzuholen, Gott straft aus Liebe!

[…]

Darum ist es gut zu hören: Gott richtet, „um den Gebeugten auf der Erde zu helfen“ (Ps. 76,10) und darum ist das Gericht Gottes „Herrlich für all seine Frommen. Halleluja!“ (Ps. 149,9). Zurück nach Duisburg: Die Menschen, die an der Loveparade teilgenommen haben, stehen wie alle Menschen vor Gott, Gott wird sie richten nach ihren Taten wie uns alle, Er richtet sie, nicht andere Menschen! An uns ist es für sie zu beten und für uns: Herr, erbarme Dich unser!

Übrigens hat auch Commentarium Catholicum diese Aufregung kommentiert, mit einem wertvollen Zitat von Bischof Laun aus den 90er Jahren, das die Frage Sünde-Strafe-Gott auf den Punkt bringt.

Und um was ging’s nicht?

Natürlich ging es überhaupt nicht darum, dass in dem besagten DerStandard-Artikel gar keine konkrete Anschuldigung erhoben wurde, sondern eben nur ein belangloses „in die Nähe rücken“…

Advertisements

6 Kommentare zu “#25 „Hinterfotzige Rhetorik“ – Loveparade und Strafe

  1. Lieber Stefan! Vielen Dank für deine Klärung!

    Allerdings, ich finde diese Aussage Launs nicht richtig: „eine andere die Feststellung: „Love – Parade“ und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde!“

    Ich befürchte er – und auch andere Leute – verwechseln die Love Parade (eine Techno Party => Musik) mit dem Christopher Street Day.

    Beide „Events“ haben überhaupt nicht miteinander zu tun.

    Übrigens, ich habe Freundinnen, die Karten für die Love Parade hatten…

    LG

  2. Liebe Marta,
    ich verstehe deinen Einwand sehr gut, ich hätte diese Feststellungen zur Loveparade auch anders formuliert, aber:

    Kann ein Bischof nicht seine Meinung sagen? Was erwartet man von einer Kirche angesichts einer Veranstaltung mit (auch exzessivem) Einsatz von Alkohol und Drogen?

    Wer glaubt denn allen Ernstes, dass die Loveparade für einen über 80jährigen Bischof nichts abstoßendes hat? Und wem ist nicht klar, dass der Verkauf und Einsatz von Drogen Einladung zur Sünde ist?

    Wie gesagt, es sind nicht meine Worte… aber wer einen anderen Bischofskommentar erwartet hat, lebt in einer anderen Welt :)

    Tatsache ist, dass Bischof Laun keinen Teilnehmer, und schon gar kein Opfer angegriffen hat – aber SpiegelOnline und DerStandard ihm genau dies unterstellt haben:

    Das gefällt mir nicht, und gegen diese Art von Journalismus werde ich immer auftreten.

  3. Hallo Columbulus, vielen Dank für deine Antwort!

    Natürlich können die Bischöfe ihre Meinung frei äußern.
    Als Laie kann ich auch eventuell einem Bischof widersprechen oder auf eine andere Sichtweise auf ihn aufmerksam machen (das habe ich schon mehrmals gemacht).
    Die Journalisten tun das sowieso. So finde ich es sehr wichtig, dass jeder Bischof sich sehr gut über die Fakten informiert, bevor er über ein bestimmtes Thema spricht.

    Leider hat die unselige Eva Hermann -auch vor Laun- ähnliche Aussagen gemacht. Und das kommt in Deutschland sehr schlecht an…

    LG aus Bonn

    • Liebe Marta,
      der Bischof ist sehr gut informiert, jedenfalls über die tieferen Dinge des Lebens – hat sich aber „medientechnisch ungeschickt“ verhalten.

      Wer heute nicht mehr informiert ist – neben der Mehrheit der Bevölkerung – sind Journalisten: Frage einmal die (kirchenkritischen) Journalisten, was sie unter „Gewissen“, „Sünde“, „Beichte“, „Gnade“, “ Strafe“, „Hölle“, „Teufel“, Gott und seinem Sohn Jesus Christus verstehen?

      Im Denken darf es, sobald wir uns der Wahrheit nähern, keine Rücksichtnahmen geben. Lass mich mit dem kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávila antworten, der den modernen Glaube, ohne Gott auskommen zu können, zu Grabe trägt. Gómez Dávila ist ein katholischer Schriftsteller von einzigartiger Angriffslust. Der Atheismus, sagt er, macht den Menschen nicht frei, sondern unterwirft ihn den absurdesten innerweltlichen Heilsversprechen…

      „Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht.“

      Ich glaube nicht an Drogen, dumpfe Beats und sexuelle Freiheit, dazu stehe ich jederzeit. Das hat mich aber nicht im geringsten daran gehindert, zu einer Novene für die Opfer und Hinterbliebenen der Duisburger Loveparade aufzurufen: Das ist der Dualismus, in dem ich als gläubiger Mensch lebe.

  4. So ungerecht man mit Bischof Laun bzgl. dieses Artikel umgegangen ist, -„Bischof Laun und die Medien“ ist mittlerweile ein Thema aus dem man ein eigenes Buch machen könnte oder zumindest eine Studie mit dem Titel, „Wie mache ich mich bei den öffentlichen Medien zum outcast?“
    Bischof Laun ist ein ausgezeichneter Theologe und Prediger allerdings ist er unglücklicherweise -was die Medien angeht – direkt in die Fußstapfen des Bischof em. Dr Kurt Krenn getreten.
    Gerade weil er das wissen müsste, sollte er umso bedachter vorgehen, wenn er statements zu aktuellen Themen abgibt. Es gibt einen ganzen Katalog an Reizwörtern, auf den die modernen medien fliegen wie die Biene auf den Honig und da interesssieren die tatsächliche Argumentation dann gar nicht mehr.
    Ich verstehe nicht, warum sich Bischof Laun keinen guten Medien – und PR-berater leistet. Mit einem besseren Verständnis dafür wie moderne Medien funktionieren und ticken, könnte er der Kirche und der Wahrheit mit einer besseren Performance so gute Dienste erweisen.

    • Deinen Kommentar verstehe ich sehr gut – eine entsprechende Beratung würde der Kirche und Bischof Laun nur gut tun.

      Andererseits dürfen wir – denke ich – nicht nachsichtig gegenüber den Medien sein nach dem Motto: „Weil Journalisten, die über die Kirchen berichten, sich einen xxxxx um die Inhalte des Glaubens und der kirchlichen Aktivitäten scheren, muss man darauf besonders Rücksicht nehmen…“

      Bischof Launs kath.net-Artikel wurde nicht einmal seinem Inhalt nach gelesen, sondern nur seinem Anschein nach. Das ist zu wenig für ernstzunehmenden Journalismus (Der Spiegel, Der Standard, …). Daher trete ich dafür ein, beise Seiten zu mahnen!!

      Auch wenn manche sich denken, Columbulus will sinnlos gegen gewisse Gegebenheiten der Medienwelt ankämpfen… so darf ich mir denken, dass selbst die Figur eines Don Quijote eine beachtliche Aufmerksamkeit erreicht hat ;-)

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s