Jesum Habemus Socium

Menschen lernst du kennen, um sie zu lieben, Jesus liebst du, um Ihn kennenzulernen.

#43 Für Friederike Mayröcker, die in der Langen Nacht der Kirchen liest

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Die wunderbare Lyrikerin Friederike Mayröcker wird am 27. Mai in Wien lesen, im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen. Details der Veranstaltung finden sich weiter unten, zunächst aber zur Einstimmung einem Beitrag, den ich im Vorjahr veröffentlicht habe.

Ein stilles Singen der Seele kommt einer himmelwärts gerichteten Musik, so wie mein kleines Bewusstsein sie sich vorzustellen vermag, schon recht nahe. „Still“ jetzt nicht in dem Sinn, dass ein kräftiges Singen unbedingt weniger schön sein muss. Es geht wohl mehr um (eine stille) Sehnsucht, eine starke Sehnsucht zu dem einen Gott, dem Gott des Kreuzes und der Liebe.

Gott hat den Menschen dazu erschaffen, der Schöpfung ein Vorsänger zu sein, damit er allen Lobpreis sammle und ihm darbringe, auch den unbewussten Lobpreis, den jedes Geschöpf Gott entgegenbringt, indem es sich Seinen Gesetzen unterwirft und Seine Größe, Seine Schönheit und Seine Macht ausstrahlt. Jedes Geschöpf verherrlicht Gott, doch der Mensch allein [dank seiner gottgebenen Rolle in der Schöpfung] kann Gott einen Lobpreis der Anbetung singen. (Julienne du Rosaire, Ordensgründerin)

Sehnsucht lässt sich fühlen, singen – und in lyrischen Worten ausdrücken. Daran musste ich denken, als ich im TeDeum einen Hymnus der großen alten Dame der Lyrik, Friederike Mayröcker, las. Mayröckers Ausdrucksformen, vor allem in späteren Jahren, sind ganz besonders eigen (weil über Jahrzehnte immer wieder neu geschöpft), und lassen sich wohl nur intuitiv erfassen… bei manchen ihrer Zeilen wird mein Innerstes doch sehr stark berührt, das darf man doch zugeben?

Der folgende Hymnus stammt vermutlich aus früheren Jahren und ist für mayröckersche Verhältnisse in sehr einfachen Worten gehalten; wenn man über das ‚Schwärmen‘ ein wenig hinwegliest, vielleicht die Augen schließt, kann es durchaus passieren, dass die Seele in bisserl in Schwingung gerät…

Ich lasse Dich nicht Du segnest mich denn
Ich lobpreise ich lobsinge
Ich lobe Dich in Deinen Monden in Deinen
schmalen wiegenden messingfarbenen Monden
die meine Nacht klar machen

Ich lobe Dich ich preise Dich in Deinen
Sonnen die übereinanderwogen in Deinen
dürstenden Horizonten

Ich preise Dich in Deinen Wiesen in Deinen
süßen unberührten wehenden Wiesen in Deinen
purpurnen Augustwiesen

Ich lobsinge Dir in Deinem flammenden Wald
in Deinem Wald über ihm die wandernden
leichten damastenen Wolken

Ich bete Dich an in allen Deinen Geschöpfen
in Deinen flüchtigen hellen ängstlichen blinden
einsamen holden Geschöpfen.
(Friederike Mayröcker)

Wem dieser Ausflug zu lyrisch erscheint, möge vielleicht den Hinweis annehmen können, dass der Lobpreis für unseren liebenden Gott und seine Schöpfung nicht nur über das gesprochene Gebet und wunderbare Musik – sondern auch über andere Kunstformen (wie der Lyrik und auch der Malerei) möglich ist…

…und vor allem: Gott sei mit euch!

+

Termin Detail:

„der brausende rauschende orgelnde flügelschlagende Wind…“

27.05.2011 20:00 – 22:00 Uhr

Kirche/Kapelle: St. Johann der Evangelist
Adresse: Keplerplatz 6, 1100 Wien
Internet-Adresse: http://www.stjohann10.at
Friederike Mayröcker liest Gedichte,
Sebastian Prantl tanzt,
Valentina Andrijevic singt mazedonische und
bosnische Lieder,
Mustafa Hancer spielt Saxophon,
Simon Schellnegger spielt Bratsche,
Luca Boccia spielt Cajón,
Ilija Jovanović – Lesung in memoriam,
es lesen Sandra Selimović und Szymon Zielinski

„auf und ab der brausende rauschende orgelnde flügelschlagende Wind, mit dem Duft der 3 Lilien im Glas, dieser allerheilige Rosen Monat Lilien Monat …“
(Friederike Mayröcker)
Choreografie und Tanz: Sebastian Prantl

Biografische Daten:

Friederike Mayröcker wurde 1924 in Wien geboren. Seit 1956 veröffentlicht sie Gedichte, Prosa, Hörspiele, etc. Die vielfach ausgezeichnete Dichterin wird oft als die Grande Dame der deutschsprachigen Literatur bezeichnet.
„Ihre Verse machen uns sehen, was sich unserer Anschauungskraft entzieht, heben ins Schwerelose….“(Suhrkamp)
Mehr als 20 Jahre lang war sie als Englischlehrerin in Hauptschulen in Wien-Favoriten tätig.

Sebastian Prantl ist in Wien geboren.
Der mehrfach ausgezeichnete Tänzer und Choreograf gründete 1988 gemeinsam mit der Pianistin Cecilia Li das Tanz Atelier Wien, welches er bis heute leitet. Neben zahlreichen Lehrtätigkeiten weltweit ist er seit 2009 künstlerischer Leiter des International ChoreoLab Austria (ICLA) an der Donau-Universität Krems.

Valentina Andrijevic lebt in Wien. Ihre mazedonisch/bosnischen Lieder von der Sehnsucht und von der Liebe begleitet sie auf dem Akkordeon.

Ilija Jovanović (1950-2010) wurde bei Beograd geboren und lebte seit 1971 in Wien. Veröffentlichungen von Gedichtbänden im Drava Verlag und im EYE Verlag. Er leitete das Romano Centro in Wien.

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