Jesum Habemus Socium

Menschen lernst du kennen, um sie zu lieben, Jesus liebst du, um Ihn kennenzulernen.

#47 Kritik an Bischof Küngs Position zur Sterbehilfe – 2 Professoren in der Konfrontation

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Selbstverständlich gibt es in Sachen Sterbehilfe andere als die von der Kirche vertretenen Positionen – im gegenständlichen Fall geht es um den Kommentar von Bischof Küng, der vor kurzem hier besprochen wurde.

Aus der Blogoezese kamen – bis auf Josef Bordats Hinweis – keine Kommentare, scheinbar gibt es hier vor allem gleichgeschaltete Geister. [Übrigens zeigt sich die Blogoezese auch beim Thema „freier Sonntag“  bisher wenig engagiert.]

Zumindest in den Printmedien wird gestritten, und ich möchte zwei Erwiderungen kurz beleuchten:

Kommentar von N.N. (86), em. o. Prof. für Paläontologie an der Universität Graz:
[…]eine Sterbeverfügung liegt da, und meine Kinder wissen um meinen Wunsch – nur …Es geht nicht um Euthanasie – auch darüber sprach ich viel mit meinem Lehrer und Freund, dessen Onkel im Dritten Reich dieser zum Opfer fiel – sondern um die Lösung dieses Problems: Darf ich als derzeit geistig und körperlich noch halbwegs gesunder Mensch bestimmen, dass ich bitte unter bestimmten festgelegten Umständen sterben darf – in Würde und Abschied nehmend von dieser Welt und den Meinen? Dass die Kirchen dagegen sein müssen ist verständlich – wenngleich sie predigen, dass Christus sehenden Auges bewusst in den Tod ging, um die Menschen zu erlösen, und ich nur die Meinen und mich erlösen will.

Versuch einer Antwort:
Darf ich …bestimmen darauf gibt es mehrere Antworten, denn einerseits gibt es staatliche Rahmenordnungen, die von Land zu Land verschieden sind, also fallen die Antworten pro Land verschieden aus. Dann gibt es die moralische Ebene, die von Gesellschaften zu unterschiedlichen Zeiten sehr unterschiedlich beantwortet wurden: Der moderne Humanismus zum Beispiel fordert das Recht auf individuelle Freiheit auch beim Sterben sehr vehement ein.

Im Rahmen eines katholisch inspirierten Blogs ist die religiöse und kirchliche Betrachtung von entscheidender Bedeutung. „Wenngleich sie predigen, dass Christus sehenden Auges bewusst in den Tod ging, um die Menschen zu erlösen, und ich nur die Meinen und mich erlösen will.

Diesen „Vergleich“ mit Jesu Tod trifft man öfter in Diskussionen an, und da wird einem wieder bewusst, wie wenig theologisches Verständnis auch bei gebildeten Menschen in hohen Positionen vorhanden ist: Wie unwissend muss ich sein, um in der Öffentlichkeit so lautstark zu tun, als gäbe es auch nur die leiseste Möglichkeit, die Erlösung Christi an der Menschheit mit der „Erlösung der eigenen Familie“ (wovon??) auch nur in irgendeinen Zusammenhang zu bringen?

Jesus hat sich in Liebe hingegeben, und diese Erlösung ist nur innerhalb der göttlichen Trinität von Vater, Sohn und Geist geschehen – kein Mensch ist davon (physisch) berührt worden, geistlich aber zehren wir von dieser Liebestat und diesem Liebestod für alle Zeiten – Deo gratias. Der Herr Professor will aber nicht nur die Seinen „erlösen“ (das wird schon schwierig bis unmöglich), natürlich will er auch sich selbst „erlösen“ – ein nicht gerade selbstloses Vorhaben. Lieber Herr Professor, zurück an den Start, mit dieser Argumentationsschiene ist kein Staat zu machen!

Kommentar von N.N. (68), em. o. Prof. für Elektrotechnik an der TU Wien:
Was wäre, wenn sich die Menschen nicht so sehr vor dem Tod ängstigen würden, dass sie ethische Grundsätze in ihrem Leben einfach aus sozialen Gründen walten lassen würden? Richtig, die organisierte Religion wäre überflüssig. Es ist also die Furcht vor Machtverlust, die sofort das „Leben, zu dem auch Leiden gehört“ ins Spiel bringt.

Versuch einer Antwort:
Da haben wir es mit dem Ansatz eines scheinbar interessanten Angriffs zu tun: Befreien wir uns von der Angst vor dem Tod – und die Akzeptanz für ethische Grundsätze (des modernen Humanismus) ist sofort da, wodurch die Institution Kirche obsolet wird. Alle Fliegen mit einer Klappe, bravo!

Meine Antwort ist, dass ganz besonders für Christen die Angst vor dem Tod sehr, sehr weit in den Hintergrund rückt: Theologisch kann sie nur mit der Angst vor der Hölle begründet werden, doch die KircherlehrerInnen der letzten 1000 Jahre haben uns so unmissverständlich zu einem liebenden Gott, einem barmherzigen Jeus, einem heilenden Geist, und einer fürbittenden Maria geführt, dass wir das „antike Christenbild“ auch dieses Herrn Professors getrost zurückweisen können.

Und wenn wir jetzt noch kurz anklingen lassen, dass die Angst vor dem Tod ganz evident für die Menschen ein Problem darstellen muss, die im Sterben zwar zu wissen meinen, dass sie „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“  ins „große Nichts“ eingehen, es aber letztlich doch nicht genau wissen können…

Weiter im Text mit N.N. (68), em. o. Prof. für Elektrotechnik an der TU Wien:
„Als Christ glaube (sic!) ich sowieso: Das Leben ist etwas….über das wir nicht einfach verfügen können – weder bei uns selbst noch bei anderen“. Welch ein Widerspruch in sich! Bischof Küng maßt sich hingegen sehr wohl das Recht an, über mein Leben und Sterben zu verfügen, indem er das Recht auf Sterbehilfe verweigert.

Antwort:
Wer sich hier widerspricht, ist die Frage. Gerade weil wir (Christen) nicht über das Leben anderer verfügen dürfen, können wir nicht zulassen, dass u.a. in den Fragen Sterbehilfe und Abtreibung staatliche Instanzen Gesetze erlassen, sodass Dritte eine Rechtfertigung vorfinden, ihrem Leben ein Ende zu machen und dabei „Vierte“ (weitere Menschen) benötigen, die ihnen den Giftcocktail reichen, bzw. das bereits entstandene Leben aus der Gebärmutter entfernen.

Weiter im Text mit N.N. (68), em. o. Prof. für Elektrotechnik an der TU Wien:
Die Kirche schwafelt gern vom „freien Willen“, aber für mein Sterbenwollen soll er nicht gelten? – Ich will jedenfalls nicht vom Glauben irgendjemandes abhängen, wie lange mein Leben dauert. Gut möglich, dass ich „bei Unheilbarkeit“ nicht mehr in der Lage bin, mein „Leben als Gesamtheit objektiv zu sehen“. Aber ein Spitalsarzt, der mich nicht kennt, schon? Wo bleibt da die Logik?

Antwort:
Das sogenannte „Schwafeln vom freien Willen“ findet überall in der Gesellschaft statt. Die einfacher gestrickten Aufklärer reklamieren den Anspruch auf den freien Willen für den Humanismus; die naturwissenschaftlichen Vertreter der vordersten Front versichern uns mehrheitlich, dass der Mensch zu gar keinem freien Handeln befähigt ist, sondern alle Entscheidungen des Individuums sich auf Entscheidungselemente, die bereits in der Vergangenheit gesetzt wurden, zurückzuführen sind. Und die Kirche spricht – richtig – auch in hohem Maße von der Freiheit „Christus hat uns zur Freiheit befreit!“

Nie möchte ich den Priester vergessen, der in einer Auferstehungsmesse mit großer Liebe und tiefer Überzeugung verkündet hat: „Nicht weil wir Gutes tun, kommt Christus in unser Leben – sondern weil Christus auferstanden ist, können wir Gutes tun …und in Freude am Heilswerk dieser Welt teilnehmen!“

Das ist eine ganz andere große Freiheit, die vom Christentum angesprochen wird, und die paradoxerweise bestimmte Freiheiten (Freitod, Abtreibung, Mord,…) als Scheinfreiheiten enttarnt und radikal verbietet: Diese Scheinfreiheiten richten sich gegen die Schöpfung, gegen die Erlösung, gegen Gott, gegen das Prinzip Leben, das nach monotheistischer Auffassung von Gott geschaffen wurde, der wiederum auch vom standhaftesten Atheisten nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Das „Schwafeln von der Freiheit“ führt aufgeklärte Humanisten nur in den nächsten Straßengraben, wo viele humanistische Bauarbeiter beschäftigt sind, nicht sehr weit also, wie ich meine.

Weiter im Text mit N.N. (68), em. o. Prof. für Elektrotechnik an der TU Wien:
Apropos „manipulative Wirkung“: das Wort Selbstmord ist ebenso manipulativ wie die dezente Einstreuung des Wortes „Euthanasie“, das in Deutschland und Österreich zu Recht in Verruf geraten ist.

Antwort:
An dieser Stelle möchte ich zustimmen. Wenn im Artikel von Bischof Küng etwas zu bemängeln ist, dann ist es das Einstreuen der Begriffe „Euthanasie“ und „Selbstmord“. Hier ist die Kirche wirklich gut beraten, historisch oder sonstig klar besetzte Termini nicht in einen Kontext hineinzutragen, in dem es ganz besonders um Glaubwürdigkeit geht – es ist sehr bedauerlich, auf diese Weise seine Argumentation und Überzeugungskraft zu verlieren.

Als „Draufgabe“ noch einige ausgewählte  Kommentare, die direkt zu dem Artikel von Bischof Küng in „Der Standard“ gepostet wurden:

whatever 0815: Ich bin mit Klaus Küng nicht einer Meinung Mein moralisches Empfinden ist ein anderes aber ich respektiere die Redlichkeit seiner Argumente und den seriösen Tonfall.

Gianni Agnelli: Ich muss sagen, mich hat das schon auch aufgewühlt, dass da ein an sich (körperlich) gesunder Mensch Sterbehilfe in Anspruch nimmt, irgend etwas hat sich da in mir gesträubt. Aber es war seine Entscheidung, seinem psychischen Leiden auf diesem Wege, nach vielen Beratungsgesprächen, zu entfliehen. Das ist so zu akzeptieren und sicherlich besser, als wenn er einsam und voller furcht Selbstmord begeht, Herr Küng!

Hofrat Geiger: Guter Mann, googeln Sie mal „Clemens August von Galen“, dann sehen Sie, wie die Kirche im Dritten Reich auf die Euthanasie reagiert hat.
Und wem bitte „diktiert“ Küng hier Verhaltensweisen?? Er versucht eine objektive Argumentation, und Sie kommen mit Polemik.
Welcome to the brave new world – SO hab ich mir Aufklärung und Humanismus nicht vorgestellt..

Manfred MPS: Gedanken zum Thema:
1. Es gibt in einer ethisch kompetenten Gesellschaft keine einfache Lösung!
2. Niemand kann vorm Selbstmord gehindert werden, wenn jemand fest entschlossen ist. Wenn jemand will, soll er es tun!
3. Bekanntlich, oder auch schon zu wenig bekannt, gab es bei uns schon (sogar staatlich gelenkte) legale Euthanasie. Das möchte ich nicht erleben.
4. Bin selber kein Kirchenmitglied, bin aber dankbar für das „ursprüngliche Programm“, das die Evangelien uns bieten. Bitte lesen! Ist Ethik pur! Den Watschenmann gibts im Prater!
5. Die Palliativmedizin verhindert (in der Regel) qualvolles sterben! „Krepieren“ ist das Schreckgespenst der Sterbehilfebefürworter.
6. Sterbebegleitung statt Sterbehilfe!!!

Manfred MPS: Antwort an speedy 07 – Jeder möchte länger leben, zumindest wenns ihm gut geht. Arbeite im Palliativbereich. Wenn die Betreuung (medizinisch, pflegerisch, sozial, spirituell) passt, ist der Lebenswille wieder da.

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